Freitag, 24. Februar 2012

Steinbildhauer


JAHRTAUSENDALTES WESEN 
IM ROHEN STEIN - DIE KNOCHEN 
DER ERDENMUTTER, VERBORGENE 
GESCHICHTEN ENTHALTEND - RUFST 
DIE MEISSELHÄNDE DES SEHNENDEN 
LITHOMANEN UND STAHL ENTHÜLLT 
FORM UND FIGUR - STEINWESEN 
NIMMT DAS MENSCHENWESEN IN 
SICH AUF UND LÄSST SICH IN 
SEINE FORM MEISSELN ZU NEUER 
GESTALT FÜR WEITERE JAHRHUNDERTE. 
DANK AN DICH - GROSSVATER IM STEIN ••• 

Bär 1998

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Die Geräusche der Geselligkeit

   
Treffen im Berghotel - Klassentreffen. Die Abendsonne streicht oben golden über die Felsen. Nach  und nach Ankunft und Begrüssung. Erlebtes der vergangenen Jahre wird ausgetauscht. Als der Bergwind mit Kühle drängt, begibt man sich ins Restaurant. Die Tafel füllt sich und bald wird aufgetragen. Angeregte Gespräche und das Klappern von Besteck erfüllen den Raum. Irgendwann dröhnt mir der Kopf ob des vergnüglichen, alkoholgepushten Geplappers.
Hinaus in die Nacht! Der Abendwind hat sich gelegt und eine wohlige Wärme der Erde erfüllt die Bergnacht. In der Ferne blinken einzelne Lichter, die Tannen rauschen leise. Meine Seele fliegt hinaus, durchmisst diesen weiten, nächtlichen Raum, die Reinheit der Bergluft aufsaugend.

Ich erkenne, dass ich die Geselligkeit nur in kleinen Dosen geniessen kann. Die grosse Gruppe überfordert meine Aufmerksamkeit und mit der Zeit wirkt der Smalltalk ermüdend. Konzentriertes Gespräch in kleinem Kreis erlaubt mir das Eintauchen ins Gegenüber und ins Thema.
Ich trinke Alkohol, doch wenig und langsam. Ich mag mich nicht damit der Lautstärke und der Schwingung der Geselligkeit anpassen.
Pausen sind die Lösung. Zuweilen hinaus, den Kopf durchlüften lassen. Die ruhige Stille der Bergnacht schmeichelt und beruhigt meine Ohren.

In einer gewissen Distanz, wenn das Geplapper der Geselligkeit sich mehr wie das Plätschern eines Baches anhört, dann wirkt es nicht mehr drängend. Belebend ist es dann, Lebensmusik, die meine Kreativität fördert.
Dies war schon immer so. Früher, als ich in den Kaffees zeichnete oder  schrieb, auf diesen Wogen von Menschenlärm reitend, ebenso wie heute hier.
Wo es längere Zeit in der Nähe erlebt, meinen Kopf zu sprengen droht, so ist es aus der Distanz gerade richtig um anregend zu sein.

Diese Distanz zu den Dingen hat oftmals eine den Blick schärfende Qualität! Die genaue Betrachtung aus der Nähe entbehrt das Erkennen der Zusammenhänge, welche oftmals vielleicht wichtiger sind, als das isolierte Detail.

Aber nun stürze ich mich wieder in die akustischen Fluten der Geselligkeit und versuche, eine Weile mitzuschwimmen.

Bär

Dienstag, 15. November 2011

Der dunkle Fleck

   
Der dunkle Fleck im Lichte
der Nacht - bezogen mit Samt
aus Herbstblättern - aufscheinend
durch Nebelfäden - Menschen
in ihrer selbstvollen Einsamkeit
trotz versichertem Lebensinhalt
auf garantiert fettabstossender
Gutelaune und alles mit Nachtisch
vor allen Stühlen ohne eigene
Böden mit Lampen
zur sensorischen Kontrolle
der Fusstrittziele beim
Gang zur Toilette wo alles
frisch von der Stange
fliesst und Erlösung naht
weiterhin so und weiter so....

Bär

Montag, 19. September 2011

Die Hamburg-Reise

Nach einer schier endlosen Reise in einem "modernen" Nightliner Liegesitz komme ich gerädert in Hamburg an. Mit der S-Bahn gehts dann zu unserem Quartier, irgendwo in der Nähe einer der vielen S-Bahn-Stationen.


Dieses Irgendwo ist vielleicht das wahrhaft Entscheidende beim Reisen. Zuerst ist da ja die völlige Orientierungslosigkeit. Man weiss nicht, wo man ist, alles ist fremd, man hat keinerlei Anhaltspunkte. Ein Gefühl des Ausgesetztseins – oder ist das bloss einfach mein eigenes Erleben? Egal, jedenfalls beginnt man sofort damit, sich Anhaltspunkte zu merken, Anker zu sichern und sich damit ein Gerüst, eine Navigationshilfe zu bauen.


Es ist wie das Knochengerüst der Stadt – und mit der Zeit beginnt sich da auch Fleisch zu bilden. Die Kneipe in jener Ecke, wo ich eine Tasse Kaffee trank und der alten Frau zusah, dieses ist eine jener Stellen des Stadtskelettes die schon ein wenig Fleisch ansetzte, das die Sache lebendig werden lässt. Oder unten am Hafen, wo ich in jener noblen Gaststätte bemerkte, dass das abgehoben-unfreundliche Personal auf der ganzen Welt dasselbe ist.


Wo ich durch intellektuelle Konstruktion meiner Anker das Stadtskelett bilde, kann dieses aber nur durch erlebte Ereignisse mit Fleisch, mit Leben vervollständigt werden. Sowohl Orte wie auch Ereignisse bleiben uns ja erst durch gefühlsmässige Intensität in Erinnerung.


Lässt sich vielleicht gleich aufs ganze Leben ausweiten. Wir haben Ziele, Sprungpunkte, die die Richtungen unserer Wege vorgeben und die logische Struktur unserer bereits gegangenen Wege bilden. Aber erst die gefühlten Ereignisse in unserem Leben geben diesen Punkten auf der Landkarte unserer Biografie Geschmack.


Das Fühlen ist das, was alles was wir tun und erleben adelt.


Barlok // Hamburg 19. September 2011

Freitag, 2. September 2011

Tanzende Lichter

Tanzende Lichter 
sternengeboren 
-verloren in 
sehnsuchtsvollem Staunen 
Atemhauch des Lebens 
in nach Liebe duftenden 
Haaren - reglos der Mond
über dem Berge hängt 
Tannen atmen dunkles Grün 
Reh duckt sich vor 
des Raubtieres Blick 
An der Felswand 
der Wind die Wasser zerstäubt 
und die Nacht atmet Moos 
und Blätterduft 
Ferne die Gletscher liegen 
und hier die Wärme 
von Haut auf Haut 
jetzt und immer fort ... 

Bär 1999

Donnerstag, 28. Juli 2011

Blattschuss




Tisch steht neben Tisch
Stuhl hockt neben Stuhl
auf der Theke rülpst
die Kaffeemaschine
trunken von braunen Kaffeebohnen.
Durch Stimmengewirr schwebt
ein Traum über die Tische wie Rauch,
schneidet sich an einer Bierkarte
und gleitet aufwärts und weiter ...
sinkt herab auf schwarze Frauenhaare,
reingelt sich an einem samtenen Ohr vorbei,
gleitet leicht herab über einen Schulterbogen,
empor über ungeschminkte Lippen
und verharrt vor rehbraunen Augen.
Ich atme endlich ein und der Traum
zuckt vor, schiesst quer durch den Raum
und mitten in mein Herz - Blattschuss!
Schwarze Haare, samtenes Ohr und Rehaugen
eingebrannt in meinem Herzen und
der Traum sinkt mir in den Bauch,
wärmt und kribbelt.
So sitze ich da - sehnend Äonen lang
und starre leere Tische an und kalte Stühle.
Der Traum ist weg und ich habs nicht bemerkt
...gegangen mit ihr.
Mit leerem Blick gehe auch ich nach Hause
wo das auch sein mag...

Baer / 1997

Montag, 18. Juli 2011

Drachenblut



FEUERHAUCH UND DRACHENBLUT 
SCHUPPENTIER MIT JAHRTAUSENDALTEM GEIST 
GEWAPPNET GEGEN ALLE GEFAHREN 
HÜTER GROSSER FELSEN HÖHLEN 
DIE ERDE BELEBEND UND 
DIE WINDE ZERZAUSEND 
GROSSER FREUND UND FURCHTBARER FEIND 
SAGENGEWORDEN DURCH ANGSTGEBORENE 
GESCHICHTEN KLEINER MENSCHEN 
IST AUFERSTANDEN AUS NUKLEARER ASCHE 
FEIND VON NEID UND MISSGUNST 
BRINGT UNS NEUE HARTE LEKTIONEN 

Bär 1998