Samstag, 21. April 2012
Der Meister des Feuer
Hell klingt es von den russgeschwärzten Wänden
Schatten tanzen am Gemäuer
der Blasebalg faucht und das Feuer lodert
hell und heiss empor
darin das Eisen seine Härte verliert
und der Meister mit schwerem Hammer
die Klinge in Form schlägt
schwere Schläge und Funken zischen davon
das helle Feuer, der dunkle Stein
das helle Klingen und mittendarin
der mächtige Mann mit seinen riesigen Händen
schwingt Hammer und Zange
in seltsamer Choreografie
und unter Schweiss wird langsam
das weiche Metall in seine Härte getrieben
fauchend im Öl getauft
und schliesslich auf dem Stein geschliffen
beginnt die Klinge zu glänzen
durch die Magie von heissem Feuer
und kaltem Öl wurde die Klinge geboren
auf dass sie das Brot schneiden möge
und die Gefahr
habt Dank Meister des Feuers
für eure Kraft
für euer Geschick
Barlok im Märzen 2012
Freitag, 24. Februar 2012
Provence-Nacht
Provence-Nacht
Die Nachtkühle hat sich auf das heisse Land gelegt.
Die Luft ist leise geworden und die Olivenbäume stehen still.
Frosch und Kröte singen ihr uraltes Lied von Jahrtausenden und die Grillen spielen ihr Streichkonzert dazu.
Das Käuzchen ruft und ein zweites antwortet von ferne.
Katzen schleichen und Hunde bellen von weit her.
So voll der Tag von Geräuschen war, so ist die Nacht von Gerüchen voll. Und über all dem wölbt sich weit und hoch das Sternenmeer des Himmels.
Oben flitzt eine Sternschnuppe schräg - schneller als das Auge blickt - lautlos, eine leuchtende Spur hinterlassend. Das Auge wandert vom Sirius empor - von Lichtpunkt zu Lichtpunkt. Der Geist zieht hinaus in unfassbare Räume und aus den Sternen fliesst Sehnsucht herab.
All diese fernen Welten, zu unergründlichen Mustern gefügt welche der Mensch mit Bedeutung zu füllen versucht. So gross uns unsere Erde auch scheinen mag, so sind angesichts dieser Welten im All unsere Sorgen und Alltäglichkeiten bloss Staub.
Und doch bin ich durch den Schein der Sterne mit ihnen verbunden und auf unerklärliche Weise auch durch meine Gefühle von ihnen berührt.
Und wieder rast so eine Linie von Licht quer über das Firmament. Ich wollte mir was wünschen, doch die Schnuppe war schneller und ich sitze noch immer hier unten.
Der Frosch quakt weiter sein Lied - sorglos und unschuldig wie immer, oder begreift er am Ende etwa mehr von all dem als ich hier auf meinem Stuhl? Die Käuzchen besingen sich noch immer und meine Seele ist von den Sternen zurückgekehrt. Sirius ist weitergerückt und die Sternenpunkte trüben sich. Mir scheint, als seien auch die Geräusche der Nacht leiser geworden und ich alleiner...
Ich mag noch nicht schlafen gehen. Es ist so schön hier, doch woher kommt diese Trauer?
Oder ist es Sehnsucht - und was sucht denn mein Sehnen?
Ist vielleicht da draussen irgendwo in dieser Unermesslichkeit verloren meine wahre Ur-Heimat?
Was mein unendliches Seelenwesen weiss, kann mein endliches Bewusstsein nicht erfassen.
Ich danke euch - Sternenwesen an meinem Nachthimmel - dass ihr uns Menschenwesen durch euren Anblick weich werden lasst. Dass wir angesichts eurer Zahl und Grösse wieder Kinder werden können - unschuldig und staunend.
Mein Sehnen in eurem Licht öffnet mein Herz und gibt mir Kraft, lässt meine Seele fliessen und hilft mir und all meinen Schwestern und Brüdern verzeihen. Nun geh' ich doch zu Bett und lasse im Schlafe meinen Körper zurück. So schwinge ich mich empor und komme zu euch.
Ich werde baden in eurem Licht - ich werde eure unerhörten Gesänge hören - und ich werde mit euch singen und all das verstehen, was Verstand nicht zu fassen vermag.
Auf der lautlosen Lichtspur werde ich reiten - quer über den Nachthimmel und ihr werdet mit eurem silbernen Licht mir all meine Ängste verbrennen. Ich werde für eine Nacht heimkehren zu euch und weinen vor Freude. Wega wird mich trösten und Andromeda mich küssen - und dann werde ich sehen, dass viele Menschenseelen auch bei euch sind, dass auch sie alle Trost und Kraft und Freude erhalten.
Und ich werde hoffen, dass wir alle morgen unsere Herzen nicht wieder verschliessen.
Ich danke euch, ihr fernen leuchtenden Wesen.
vor 1998 // Bär
Steinbildhauer
JAHRTAUSENDALTES WESEN
IM ROHEN STEIN - DIE KNOCHEN
DER ERDENMUTTER, VERBORGENE
GESCHICHTEN ENTHALTEND - RUFST
DIE MEISSELHÄNDE DES SEHNENDEN
LITHOMANEN UND STAHL ENTHÜLLT
FORM UND FIGUR - STEINWESEN
NIMMT DAS MENSCHENWESEN IN
SICH AUF UND LÄSST SICH IN
SEINE FORM MEISSELN ZU NEUER
GESTALT FÜR WEITERE JAHRHUNDERTE.
DANK AN DICH - GROSSVATER IM STEIN •••
Bär 1998
Donnerstag, 1. Dezember 2011
Die Geräusche der Geselligkeit
Treffen im Berghotel - Klassentreffen. Die Abendsonne streicht oben golden über die Felsen. Nach und nach Ankunft und Begrüssung. Erlebtes der vergangenen Jahre wird ausgetauscht. Als der Bergwind mit Kühle drängt, begibt man sich ins Restaurant. Die Tafel füllt sich und bald wird aufgetragen. Angeregte Gespräche und das Klappern von Besteck erfüllen den Raum. Irgendwann dröhnt mir der Kopf ob des vergnüglichen, alkoholgepushten Geplappers.
Hinaus in die Nacht! Der Abendwind hat sich gelegt und eine wohlige Wärme der Erde erfüllt die Bergnacht. In der Ferne blinken einzelne Lichter, die Tannen rauschen leise. Meine Seele fliegt hinaus, durchmisst diesen weiten, nächtlichen Raum, die Reinheit der Bergluft aufsaugend.
Ich erkenne, dass ich die Geselligkeit nur in kleinen Dosen geniessen kann. Die grosse Gruppe überfordert meine Aufmerksamkeit und mit der Zeit wirkt der Smalltalk ermüdend. Konzentriertes Gespräch in kleinem Kreis erlaubt mir das Eintauchen ins Gegenüber und ins Thema.
Ich trinke Alkohol, doch wenig und langsam. Ich mag mich nicht damit der Lautstärke und der Schwingung der Geselligkeit anpassen.
Pausen sind die Lösung. Zuweilen hinaus, den Kopf durchlüften lassen. Die ruhige Stille der Bergnacht schmeichelt und beruhigt meine Ohren.
In einer gewissen Distanz, wenn das Geplapper der Geselligkeit sich mehr wie das Plätschern eines Baches anhört, dann wirkt es nicht mehr drängend. Belebend ist es dann, Lebensmusik, die meine Kreativität fördert.
Dies war schon immer so. Früher, als ich in den Kaffees zeichnete oder schrieb, auf diesen Wogen von Menschenlärm reitend, ebenso wie heute hier.
Wo es längere Zeit in der Nähe erlebt, meinen Kopf zu sprengen droht, so ist es aus der Distanz gerade richtig um anregend zu sein.
Diese Distanz zu den Dingen hat oftmals eine den Blick schärfende Qualität! Die genaue Betrachtung aus der Nähe entbehrt das Erkennen der Zusammenhänge, welche oftmals vielleicht wichtiger sind, als das isolierte Detail.
Aber nun stürze ich mich wieder in die akustischen Fluten der Geselligkeit und versuche, eine Weile mitzuschwimmen.
Bär
Dienstag, 15. November 2011
Der dunkle Fleck
Der dunkle Fleck im Lichte
der Nacht - bezogen mit Samt
aus Herbstblättern - aufscheinend
durch Nebelfäden - Menschen
in ihrer selbstvollen Einsamkeit
trotz versichertem Lebensinhalt
auf garantiert fettabstossender
Gutelaune und alles mit Nachtisch
vor allen Stühlen ohne eigene
Böden mit Lampen
zur sensorischen Kontrolle
der Fusstrittziele beim
Gang zur Toilette wo alles
frisch von der Stange
fliesst und Erlösung naht
weiterhin so und weiter so....
Bär
Montag, 19. September 2011
Die Hamburg-Reise
Nach einer schier endlosen Reise in einem "modernen" Nightliner Liegesitz komme ich gerädert in Hamburg an. Mit der S-Bahn gehts dann zu unserem Quartier, irgendwo in der Nähe einer der vielen S-Bahn-Stationen.
Dieses Irgendwo ist vielleicht das wahrhaft Entscheidende beim Reisen. Zuerst ist da ja die völlige Orientierungslosigkeit. Man weiss nicht, wo man ist, alles ist fremd, man hat keinerlei Anhaltspunkte. Ein Gefühl des Ausgesetztseins – oder ist das bloss einfach mein eigenes Erleben? Egal, jedenfalls beginnt man sofort damit, sich Anhaltspunkte zu merken, Anker zu sichern und sich damit ein Gerüst, eine Navigationshilfe zu bauen.
Es ist wie das Knochengerüst der Stadt – und mit der Zeit beginnt sich da auch Fleisch zu bilden. Die Kneipe in jener Ecke, wo ich eine Tasse Kaffee trank und der alten Frau zusah, dieses ist eine jener Stellen des Stadtskelettes die schon ein wenig Fleisch ansetzte, das die Sache lebendig werden lässt. Oder unten am Hafen, wo ich in jener noblen Gaststätte bemerkte, dass das abgehoben-unfreundliche Personal auf der ganzen Welt dasselbe ist.
Wo ich durch intellektuelle Konstruktion meiner Anker das Stadtskelett bilde, kann dieses aber nur durch erlebte Ereignisse mit Fleisch, mit Leben vervollständigt werden. Sowohl Orte wie auch Ereignisse bleiben uns ja erst durch gefühlsmässige Intensität in Erinnerung.
Lässt sich vielleicht gleich aufs ganze Leben ausweiten. Wir haben Ziele, Sprungpunkte, die die Richtungen unserer Wege vorgeben und die logische Struktur unserer bereits gegangenen Wege bilden. Aber erst die gefühlten Ereignisse in unserem Leben geben diesen Punkten auf der Landkarte unserer Biografie Geschmack.
Das Fühlen ist das, was alles was wir tun und erleben adelt.
Barlok // Hamburg 19. September 2011
Dieses Irgendwo ist vielleicht das wahrhaft Entscheidende beim Reisen. Zuerst ist da ja die völlige Orientierungslosigkeit. Man weiss nicht, wo man ist, alles ist fremd, man hat keinerlei Anhaltspunkte. Ein Gefühl des Ausgesetztseins – oder ist das bloss einfach mein eigenes Erleben? Egal, jedenfalls beginnt man sofort damit, sich Anhaltspunkte zu merken, Anker zu sichern und sich damit ein Gerüst, eine Navigationshilfe zu bauen.
Es ist wie das Knochengerüst der Stadt – und mit der Zeit beginnt sich da auch Fleisch zu bilden. Die Kneipe in jener Ecke, wo ich eine Tasse Kaffee trank und der alten Frau zusah, dieses ist eine jener Stellen des Stadtskelettes die schon ein wenig Fleisch ansetzte, das die Sache lebendig werden lässt. Oder unten am Hafen, wo ich in jener noblen Gaststätte bemerkte, dass das abgehoben-unfreundliche Personal auf der ganzen Welt dasselbe ist.
Wo ich durch intellektuelle Konstruktion meiner Anker das Stadtskelett bilde, kann dieses aber nur durch erlebte Ereignisse mit Fleisch, mit Leben vervollständigt werden. Sowohl Orte wie auch Ereignisse bleiben uns ja erst durch gefühlsmässige Intensität in Erinnerung.
Lässt sich vielleicht gleich aufs ganze Leben ausweiten. Wir haben Ziele, Sprungpunkte, die die Richtungen unserer Wege vorgeben und die logische Struktur unserer bereits gegangenen Wege bilden. Aber erst die gefühlten Ereignisse in unserem Leben geben diesen Punkten auf der Landkarte unserer Biografie Geschmack.
Das Fühlen ist das, was alles was wir tun und erleben adelt.
Barlok // Hamburg 19. September 2011
Freitag, 2. September 2011
Tanzende Lichter
Tanzende Lichter
sternengeboren
-verloren in
sehnsuchtsvollem Staunen
Atemhauch des Lebens
in nach Liebe duftenden
Haaren - reglos der Mond
über dem Berge hängt
über dem Berge hängt
Tannen atmen dunkles Grün
Reh duckt sich vor
des Raubtieres Blick
An der Felswand
der Wind die Wasser zerstäubt
und die Nacht atmet Moos
und Blätterduft
Ferne die Gletscher liegen
und hier die Wärme
von Haut auf Haut
jetzt und immer fort ...
Bär 1999
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